Unsere Geschichte

1999: Die Anfänge in Sierra Leone

Der niederländische Psychotherapeut Paul Sterk arbeitet für eine NGO in Flüchtlingscamps in Sierra Leone. Dabei stellt er fest, dass der Bedarf nach psycho-sozialen Angeboten zu groß für die wenigen Fachkräfte war. Außerdem fehlt für seine Arbeit eine wichtige Voraussetzung: Ohne gemeinsame Sprache können die Menschen (trotz Dolmetscher*innen) ihre Sorgen und Hoffnungen weniger gut ausdrücken.

Diese Erfahrungen motivieren Paul Sterk zu der Entwicklung eines Peer-Programms namens Mind-Spring. Er startet die ersten Gruppen direkt in den Flüchtlingscamps.  

ab 2002: Verbreitung in Nordeuropa

Zusammen mit weiteren Mitstreiter*innen beginnt Paul Sterk damit, Mind-Spring für Schutzsuchende in niederländischen Asylzentren zu implementieren. Mittlerweile ist das Programm dort fester präventiver Bestandteil der psycho-sozialen Versorgung durch die NGO ARQ. 

2010 starten die ersten Mind-Spring Gruppen in Belgien über die CAW, einem landesweiten Zusammenschluss freier Träger. In Dänemark beginnt im selben Jahr eine erfolgreiche Testphase, nach der das Danish Refugee Council als international erfahrene NGO das Programm Mind-Spring umsetzt. 

Es gibt mittlerweile Gruppen in den Niederlanden (seit 2002), Dänemark und Belgien (seit 2010). Kolleg*innen in Schweden, Island, Finnland und Großbritannien bauen aktuell (2022/23) Mind-Spring in ihren Ländern auf.

2017-2019: Mind-Spring kommt nach Deutschland

Die Lage in Syrien, Afghanistan, Irak und Somalia zwingt Hunderttausende Menschen zur Flucht. Auch in Deutschland kommen viele Schutzsuchende neu an. Dabei fällt im Gesundheitsamt Enzkreis Ärztin Dr. Janine Benson-Martin ein ungedeckter Bedarf auf: die meisten Geflüchteten finden nach ihrer Ankunft kaum niederschwellige Unterstützung für ihre psycho-soziale Gesundheit. Denn es gibt zwar Therapieplätze für Menschen mit großem Hilfebedarf, aber keine präventiven Angebote für die gesamte Zielgruppe. 

Nach einer lokalen Bedarfsanalyse und dem Vergleich verschiedener Programme wird klar: Mind-Spring ist schnell einsetzbar, nutzt bekannte Prinzipien und wirksame Methoden, hat sich im Ausland bewährt und ist für den deutschen Kontext anpassbar. Die Entscheidung fällt, das Programm nach Deutschland zu holen. 

2017 startet Dr. Benson-Martin Mind-Spring Deutschland zusammen mit Cristina Visiers Würth vom Landratsamt Böblingen. Das niederländische Manual wird ins Deutsche übersetzt. Paul Sterk schult die ersten Ausbilder*innen, Trainer*innen und Co-Trainer*innen persönlich.

2018-2020: Die Pilotphase

Mit freundlicher Unterstützung der Krankenkasse AOK startet 2018 ein Pilotprojekt im Enzkreis. Die ersten Gruppen auf Arabisch und Farsi bringen Erkenntnisse, die auch wissenschaftlich erforscht werden.  

Im Landkreis Böblingen findet 2019 ein Internationaler Fachtag (PDF) statt, an dem sich Koordinator*innen aus Deutschland, Dänemark, Belgien, Finnland und den Niederlanden austauschen. Auch Paul Sterk persönlich ist anwesend, berät und ermutigt die engagierten Teilnehmenden. Leider ist er schon sehr krank und verstirbt noch im selben Jahr. 

Mind-Spring-Kurse in Böblingen und Pforzheim/Enzkreis finden auch zu Beginn des Jahres 2020 noch weiterhin große Resonanz - bis das Corona-Virus die Kapazitäten der beteiligten Ämter völlig übernimmt und gleichzeitig besonders Geflüchtete stark belastet.

Der Kursbetrieb im Landkreis Böblingen und Pforzheim/Enzkreis wird vorerst ausgesetzt, die strukturelle Arbeit geht jedoch weiter: zusammen mit dem Ostalbkreis stellen die drei Landkreise gemeinsam einen Förderantrag, um Mind-Spring in Deutschland weiter aufzubauen, auszuweiten und zu verstetigen.

ab 2021: Das Projekt Mind-Spring

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration des Landes Baden-Württemberg und die Stiftung für Gesundheitliche Prävention geben eine Förderzusage auf insgesamt 4 Jahre (Details dazu oben).

Im Enzkreis nimmt die Kreisübergreifende Koordinationsstelle ab April 2021 ihre Arbeit unter Pandemiebedingungen auf - und Mind-Spring passt sich an die Lage an: Schulungen werden hybrid organisiert, Kurse können dank Schnelltests und Hygienekonzepten ohne Ansteckungsketten stattfinden. 

Neben den drei Projektlandkreisen findet das Programm auch Wurzeln in anderen Teilen Baden-Württembergs. In 2019 hatten auch Kolleg*innen aus den Kreisen Reutlingen und Tübingen an Schulungen und Fachtag teilgenommen. Sie starten jetzt als Koordinator*innen Kurse vor Ort. 

Die Treffen als ‚Community of Practice‘ schaffen dazu eine gemeinsame Basis. Landkreis- und ämterübegreifend vernetzen sich Anwender*innen der geförderten und assoziierten Landkreise, tauschen Erfahrungen aus, teilen ihr Wissen und ihre Ideen zur Weiterentwicklung des Programms.

2025: Der Trägerverein: Mind-Spring Deutschland e.V.

Aus unserer lebendigen Anwender*innengemeinschaft (community of practice) heraus wurde 2025 der gemeinnützige Verein Mind-Spring Deutschland e.V. gegründet. Mit dem Verein entstand eine partizipative und resiliente Trägerstruktur, die den nachhaltigen Aufbau und die Weiterentwicklung von Mind-Spring in Baden-Württemberg unterstützt.